Geschichte

Offensichtlich war das Nachkriegsjahr 1954 ein Erfolgs- u. Gründerjahr mit bahnbrechender Siegesserie. Nicht nur die Wochenzeitung „Rund um Boppard“ wurde vor einem halben Jahrhundert aus der Wiege gehoben, auch die im „Weltmeisterjahr“ eröffnete Sesselbahn entwickelte sich seither zu einer beispiellosen Erfolgsstory, die alle Höhen und Tiefen mit Bravour überdauerte.

Am 26.Mai 1954, Christi Himmelfahrt, sollte es endlich zur Jungfernfahrt kommen, nachdem mit Oswald und Friedolin Krautkrämer, Heinrich Schweitzer, Willi Vogt und Franz Aspiron – die fünf Unternehmer waren übrigens allesamt keine „waschechten“ Bopparderr. Sie waren weitsichtige und auch risikobewusste Gründungsväter, die zahlreiche bürokratische Hürden und immer neue Widerstände aus der Bevölkerung aus dem Weg geräumt hatten, bis in volksfestartiger Stimmung die ersehnte feierliche Eröffnung der Sesselbahn stattfinden konnte.
Es war gerade mal ein halbes Jahr vergangen, als die Öffentlichkeit Boppards die ersten Gerüchte und Nachrichten über die Errichtung einer Sesselbahn vom Eingang des Mühltals bis hinauf zum am 10.8. 1898 eröffneten Aussichtspunkt Gedeonseck laut wurden. Standen in den ersten drei Monaten noch viele Bürger dem Vorhaben skeptisch gegenüber, so leitete die Aufklärungsarbeit einiger Stadtväter, allen voran Rudolf Koelges und Dr. Alexander Stollenwerk, mit der Hervorhebung der fremdenverkehrsmäßigen Bedeutung und Einmaligkeit der geplanten „Investition in die Zukunft“ recht bald einen Umdenkungsprozess in der Bevölkerung ein.
Die Akzeptanz seitens der Bevölkerung stieg von Tag zu Tag und schon recht bald freute man sich weithin auf die Fertigstellung des geplanten Tourismusmagnets.
Schnell zeigte sich, dass das Projekt allen Skeptikern zum Trotz einer glücklichen Vollendung entgegensehen konnte.

Den Ausführungen im nachfolgenden, von Bürgermeister Dr. Alexander Stollenwerk zur Bahneröffnung verfassten Grußwort der Stadt, kann sicherlich auch noch heute ohne Einschränkungen gefolgt werden.

„Am 26.Mai 1954 wird die Bopparder Sesselbahn ihre erste Fahrt zum Hirschkopf und Gedeonseck unternehmen. Dann ist ein Werk glücklich vollendet, das in den letzten Monaten nicht nur von der gesamten Bevölkerung der Stadt Boppard, sondern auch von der Einwohnerschaft der nahen und weiten Umgebung mit sehr regem Interesse verfolgt wurde.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Alpenwelt durch Seilbahnen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jetzt hat auch die Bevölkerung unserer Stadt und unseres Kreises für sich und die zahlreichen Gäste der gesegneten Landschaft des romantischen Mittelrheins, des Hunsrücks und des Taunus ebenfalls Gelegenheit, mit einer solchen Bahn die Schönheiten unserer Heimat auf bequeme Weise zu besuchen.

Ich erwäge kühn zu behaupten, dass es keinen Platz am Rhein gibt, der sich mit dem Ausblick von diesen Punkten auf die größte Schleife des Rheins überhaupt vergleichen lässt.
Die Fahrt mit der Sesselbahn wird dem schönheitsdürstenden Auge das wechselvolle Bild des belebten Rheinstromes bieten und bei der Talfahrt den Blick in die herrlichen Schluchten und Wälder eröffnen. So wird die Sesselbahn mit dazu beitragen, auch denen den Genuss der einmaligen Schönheit von Rheinbogen und Schiffsverkehr, von Wäldern und Tälern, von Ausblick und Besinnlichkeit zu bieten, denen der Besuch dieser Bergeshöhe aus irgendwelchen Gründen bisher nicht möglich war. Damit wird die Bahn mit dazu beitragen, den Namen und den Ruf der alten Stadt Boppard als einen der beliebtesten Ferienorte und Ausflugsziele noch weiter auszudehnen und zu festigen.

 

In Anwesenheit von ungezählten Repräsentanten des öffentlichen Lebens, von Presse und Rundfunk sowie rund 1.500 Zuschauern fand dann endlich bei sonnigem Wetter an „Christi Himmelfahrt“ die feierliche Eröffnung statt. Alle Anwesenden erhielten Freifahrten.
Der Männergesangverein Boppard schmetterte unter der Leitung seines unvergessenen Dirigenten Lorenz Wolf zur Eröffnung des Festaktes das Chorlied „Mein Heimatland wach auf“. Grußbotschaften des Ministerpräsidenten Dr. Peter Altmeier, von Staatssekretär Dr. Wilhelm Steinlein und Regierungspräsident Dr. Wilhelm Sommer wurden vorgetragen. Nach Festreden des Gesellschafters Oswald Krautkrämer, dem Prokuristen der bauleitenden Firma Hasenclever, von Landrat Heinrich Roth und Bürgermeister Dr. Alexander Stollenwerk segnete Pfarrer Erhard Krummeich die Sesselbahn ein.  

Seit nunmehr einem halben Jahrhundert gehört eine Fahrt mit der Bopparder Sesselbahn zum absoluten Pflichtprogramm eines jeden Boppardbesuchers, egal ob jung oder alt, egal ob Tages- oder Langzeittourist.